Archiv für die Kategorie ‘Arbeitslosigkeit’
Muscheln im Schnee
Gerade wurde aus dem ersten Schneeregen der erste Schnee vor Weihnachten. Das ist insofern etwas Besonderes, weil der andere Autor und ich ihn zum ersten Mal gemeinsam erleben durften. Sehr romantisch, während der Autofahrt zum Berufsinformationstag der RSB.
Nun erkläre ich Kindern und potentiellen Journalisten, warum mein Beruf so toll ist und warum sie sich unbedingt an der Hochschule Darmstadt einschreiben sollten.
Doch wie erkläre ich einem Unwissenden, was einen Journalisten eigentlich ausmacht?
Eine Muschel sollte als Anschauungsmaterial herhalten. Sie ist von außen unscheinbar, gar hässlich. Die innere Fläche gleicht jedoch einer Perle – so weiß und glatt ist sie. Die Erklärung: Journalisten müssen das Unscheinbare unter die Lupe nehmen und daran das Besondere entdecken.
Man, bin ich genial!
Arbeitslos trotz Arbeit?
Meine Woche sieht zur Zeit folgender Maßen aus: Hin und wieder rufen Redakteure bei mir Zuhause an (halt, ich wohne ja wieder bei Mami)… also sie rufen bei meinen Eltern an, die so freundlich waren mich nach meinem abgeschlossenen Studium bei sich aufzunehmen, damit ich mir in Ruhe einen Job suchen kann.
Die Redakteure rufen also an und schicken mich bis Buxtehude und wieder zurück. Ich schreibe anschließend das Erlebte auf und bekomme ein bisschen Geld dafür (wirklich nicht viel). Es reicht gerade dazu aus, dass ich mein Auto und ein paar Extras leisten kann: Die neuen Stiefel, die eigentlich rutschfest sein sollten, es aber nicht wirklich sind (das war nämlich der Grund dafür überhaupt erst in den Laden zu gehen); dann die Schoko-Bodylotion, mit der ich am Wochenende meinen Freund überraschen werde (was er erst am WE erfahren wird, da er diesen Text nicht liest). Meine Mama findet jedenfalls, dass ich super rieche (der genaue Wortlaut war “das erinnert mich irgendwie an Omas Röllchen*”).
*mit Omas Röllchen sind nicht etwa ihre Fettpölsterchen gemeint, vielmehr meinte sie ein Gebäck
Wie lange werde ich noch bei meiner völlig nervigen Familie wohnen müssen? Das ist vielleicht ein Abstieg: Vier Jahre wohnst du in deinen eigenen vier Wänden, bist stolz wie Oskar, weil du den Dauerauftrag für deine Stromrechnung selbstständig fertig gestellt hast… bis es dich doch wieder in das kleine, katholische Dörfchen im Sauerland verschlägt. Hier ist alles so klein, eng und beschränkt. Nicht die Menschen, aber die Möglichkeiten. Hätte ich vlt lieber in Darmstadt bleiben sollen. Wo Frankfurt und die Rundschau so nahe sind? Nein, dort habe ich keine Chancen – zumindest nicht ohne ein Volo.
Diese Gedanken spuken jeden Tag durch meinen Kopf. Das Problem ist aber auch, dass ich einfach zu viel Zeit habe, darüber nachzudenken. Fühle mich arbeitslos und denke, dass ich bald verblöden werde. Mein Weg, um dem entgegen zu wirken: Ich lerne Keyboard spielen, singe im Chor, lese englische Bücher und lerne nebenbei Französisch (genau genommen habe ich mir letzteres nur vorgenommen). Trotzdem: Ich muss mich bewerben. Gleich morgen werde ich wieder eine schreiben! Gleich nach dem Putzen und der Gartenarbeit. Gott, ich bin so spießig!